Sicher aber ist, dass die Kirche
und ihre Lehre 
vom
menschgewordenen 
Gottessohn
schon lange ihre Heimstatt
haben in unserer Mitte,
umsomehr, als man weiß, 
dass nicht
die steinernen Häuser allein,

sicher sie nicht einmal zuerst,
das ausmachen,
was wir Kirche nennen,

sondern dass der Bau
aus lebendigen Steinen
vorher und nachdem
da sein muss,
sollen jene nicht
vergeblich gewachsen sein.


Aus: Rudolf Brock, Heimat unter dem Kreuz - Kirchengeschichte rund um St. Michael

Die Kirche St. Michael an der Valentinstraße in Gelsenkirchen-Hassel ist eine Tochtergründung der Buerschen Muttergemeinde St. Urbanus. Sie wurde im Jahr 1911 erforderlich, als sich die Bewohnerzahl in Hassel infolge der Abteufung der Schächte der beiden staatlichen Zechen Bergmannsglück und Westerholt in den Jahren 1903 bzw. 1907 auf 10.000 zu bewegte, von der rund die Hälfte Katholiken waren. Zunächst wurde in einer Schulbaracke der sonntägliche Gottesdienst gefeiert. Dann – 1911 – schenkte der Bauer Nachbarschulte-Otte ein Grundstück, auf dem eine Notkirche gebaut werden konnte.

 

1934 wurde der Bildhauer Meyer aus Gelsenkirchen mit der Fertigstellung des Kreuzweges beauftragt. Das Turmkreuz und das Kupferdach der Kirche wurden angebracht. Bei einem Luftangriff am 29.12.1944 auf Hassel, Bergmannsglück und Buer Mitte gab es 82 Tote. Bei diesem Angriff wurde auch die Kirche St. Michael so stark beschädigt, dass Gottesdienste nicht mehr in der Kirche gefeiert werden konnten, nachdem schon am 15. Juni 1944 bei einem Fliegerangriff an der Kirche, am Pfarrsaal (Notkirche) und am Pfarrhaus größere Schäden enstanden waren. So wurde am Freitag, dem 30.12.1944 der Kirchenkeller für den Gottesdienst hergerichtet, damit der Jahresschlußgottesdienst und die Gottesdienste an Neujahr wieder gefeiert werden konnten. In den Jahren 1945 bis 1947 erfolgte der Wiederaufbau, bis dahin mußte die Gemeinde mit diesem Provisorium leben.

 

Am 27. August fand die Einführung von Herrn Pfarrer Franz Effing und die kirchliche Einsegnung der einfachen Notkirche statt. Knapp ein Jahr später konnte das Pfarrhaus bezogen werden. Am 11. November 1911 wurde St. Michael von der Buerschen Mutterkirche St. Urbanus abgetrennt und zur eigenen Pfarre erhoben. Der Grundstein zum Bau der neuen Kirche wurde am 14. März 1915 gelegt. Die 2 ½ Jahre Bauzeit fielen in die schweren Jahre des 1. Weltkriegs. Am 25. September 1917 war es endlich so weit: der Münsteraner Bischof weihte die Kirche ein, die im neoklassizistischen Stil nach den Plänen des Architektenteams Brand und Stahl (Trier bzw. Düsseldorf) errichtet wurde und somit eine Besonderheit im Stadtgebiet darstellt. Hassel hatte um diese Zeit 11580 Einwohner, davon 6387 Katholiken.

 

Im Zuge des 75. Jahrestags der Einweihung der Kirche St. Michael veranlasste der Kirchenvorstand eine gründliche Sanierung der Kirche, um die Schäden, die der 2. Weltkrieg, der Bergbau und der Zahn der Zeit verursacht hatten, zu beseitigen. Neben den Renovierungsarbeiten wurde der Kirchenraum verkleinert und der nur noch ca. 1700 Mitglieder zählenden Gemeinde angepasst. Herr Architekt Simon übernahm die Planung und die Durchführung der Umbauarbeiten. Die Altarinsel wurde verändert (Weiterführung des Halbkreises in einen Vollkreis), die Orgelbühne vorgezogen, die Heizung erneuert und die Werktagskapelle abgetrennt. Die Malerarbeiten wurden nach einem Entwurf von Herrn Prof. Schlüter aus Münster durch die Fa. Dornhege so zügig erledigt, dass die Gemeinde bereits zu 1990 das Weihnachtsfest in der renovierten Kirche feiern konnte. Bis dahin wurde der Gottesdienst im Pfarrheim bzw. in einem abgetrennten Teil der Kirche (unter der heutigen Orgelbühne, hinter der Glasabtrennung) gefeiert.

 

Im Zuge des Wiederaufbaus in ganz Hassel entstanden neue Straßen und Siedlungen, so dass sich auch die Einwohnerzahl vergrößerte. So wurde 1953 beschlossen, im Süden des Pfarrbezirkes eine Abpfarrung vorzunehmen: St. Theresia wurde gegründet. Der Bau der Eppmannssiedlung machte eine weitere Abpfarrung notwendig: 1962 wurde die Expositur St. Pius, 1967 die Kirche und das Pfarrzentrum St. Pius eingeweiht.

Im Februar 1992 wurde das Gerüst zur Vorbereitung der Betonwerk- und Natursteinarbeiten erstellt. Gleichzeitig wurde die Betonsanierung der inneren Decken im Kirchturm durchgeführt. Die Fugen des Klinkermauerwerks außen am Turm wurden instand gesetzt. Die Glockenanlage musste erneuert werden und es wurde eine computergesteuerte Uhr eingebaut. Bei der Instandsetzung der Natursteine zeigte sich schnell, dass die Verwitterungs-, Kriegs- und Betonschäden schlimmer waren als angenommen. So brach zum Beispiel während der Arbeiten eine komplette Konsole unter dem Umgang ab. Die Profile an dem relativ weichen Tuffstein waren teilweise so stark verwittert, dass sie nicht zu überarbeiten waren, sondern komplett erneuert wurden. Die vorkragenden Konsolen wurden zusätzlich von unten mit nicht rostenden Stäben gesichert.

 

Die Kirche ist ein vielgliedriger Baukörper und liegt erhöht in einer kleinen Grünanlage. Mit ihren Zierelementen aus dem Barock erinnert sie an niederrheinisch-flämische Kirche. Städtebaulich wichtig ist der Turm mit dem Umgang und seiner geschwungenen Metallhaube.

 

Außen wird der Bau durch Lisenen gegliedert, über dem Eingang befindet sich eine große Statue des Heiligen Michael.

Die Außenmauern wurden mit holländischen Handstrichziegeln verblendet. Der Sockel besteht aus großen Muschelkalkquadern, einem für Hassel ungewöhnlichem Material, viele Zierglieder wurden aus Ettringer Tuff gehauen.

Innen zeigt sich die Kirche als hohe Halle mit einem Tonnengewölbe. Der Chorraum mit einem großen Altar erfährt eine gestalterische Hervorhebung durch den Arkaden-Umgang aus antikischen Säulen. Auch hier setzten die Architekten auf die Wirkung von kostbaren und verschiedenfarbigen Materialien. Im Inneren der Kirche St. Michael ziehen zwei Kunstwerke die besondere Aufmerksamkeit auf sich: die Pietà und das die rechte Nische füllende Mosaik des Kirchenpatrons St. Michael. Über die Herkunft der Pietà ist nur soviel bekannt, als dass es sich um eine sehr gekonnte Nachbildung handeln soll. Über den Entwurf zur Mosaikgestaltung des Erzengels Michael schreibt der Künstler Josef Nienhaus: „Der Erzengel Michael steht als der Streiter Gottes in der Mitte des Bildes, beschützend vor der erdhaft grünen Fläche. Das Weiß der Gestalt deutet auf die Reinheit und Transparenz hin. Die nach oben zeigenden Flügel, die in die Fläche der himmlischen Glorie hineinragen und die Handbewegung weisen auf die Mittlerfunktion hin. Durch das goldene Kreuz wird der Drachen, das Symbol des Bösen, mit dem Stich ins Auge besiegt und in die Unterwelt verbannt. Diese wird durch die unruhige, dunkle und zerrissene Fläche mit den Feuerflammen symbolisiert."

 

Von der weiteren Ausstattung ist der Bronze-Ambo des Bildhauers Josef Baron aus Unna zu nennen, der für die Vorderseite das Motiv des beziehungsreichen Gleichnisses vom Sämann wählte: „Der Sämann, er sät das Wort." Von demselben Künstler stammt die Bronzetür des Hauptportals.

Quellen:

 

Beiträge zur Stadtgeschichte, Band XXII, 2000


Geborgen im Schatten Deiner Flügel, 50 Jahre Pfarrgemeinde Sankt Michael Buer-Hassel, Eine heimatkundliche Festschrift

 

75 Jahre Katholische Kirchengemeinde St. Michael