Der Aufstieg in das erste Turm­oberge­schoss beginnt auf der Orgelempore. Aus einer schlitz­artig ausgebrochenen Öffnung der Betondecke – parallel zur nördlichen Turmaußenwand – hängen die Ketten der Uhrge­wichte des im nächsten Geschoss befindlichen mecha­nischen Uhr­werks. Über die rechte Kette wurde das Viertelschlagwerk an­ge­getrieben, die linke Kette be­trieb das Viertelschlagwerk, und die mittlere Kette ist die des Zeigerwerks. Nach der Anschaffung einer elektroni­schen Funk­uhr wurde das mechanische Uhrwerk stillgelegt. 

 

Die Gewichte, die an den Ketten hingen, lagern seither auf dem Fußboden unterhalb der Ketten.

In der Mitte des Betonfußbodens und der Betondecke befindet sich jeweils eine quadratische, mit Brettern verschlossene Durchlassöffnung für die Glocken. Die große Wärme abstrah­lenden, hellen Metallschränke, von denen weitere auch noch im nächsten Turmgeschoss zu finden sind, beinhalten die Technik der im und am Turm installierten Mobilfunkanlagen.

Die an der östlichen Turmwand befindliche, steile Holztreppe führt uns in die nächste Etage.

Das zweite Turmobergeschoss ist das Uhrwerkgeschoss.

Hier ist in einem „Staubschrank“ das stillgelegt Uhrwerk untergebracht, das 1921 von der Recklinghausener Turm­uhrenfirma Vortmann gebaut wurde. Aus der Decke des Staubschranks ragt der Rest der ehemaligen Zeigerwelle des Uhrwerks heraus, welche einst mehr als 15 Meter durch die Zwi­schenböden des Turms nach oben – über Umlenk- und Verteilgetriebe – und schließlich durch die Turmaußen­wände zu den vier großen Zifferblät­tern geführt war. Über die Zeigerwelle wurden in minütlichen Abständen die Zeiger an den vier Zifferblättern fort­bewegt.

Das größtenteils aus Messing und Gusseisen bestehende alte Uhrwerk besteht aus verschiedenen Bauteilen, die in einem gusseisernen Gestell un­tergebracht sind. Linksseitig in diesem Gestell befindet sich das Räderwerk für den Stundenschlag, mittig das Zeigerwerk, rechtsseitig das Schlagwerk für die Viertelstunden. Von beiden Schlagwerken aus führten – über diverse Umlenkmechanismen – Drahtseile nach oben in die Glockenstube zu den entsprechenden Anschlaghämmern an den Glocken. Das Viertelschlagwerk wurde über einen Hebel­mechanismus ausgelöst; die erforderliche Anzahl der Viertelschläge wurde durch die Einkerbungen auf der sogenannten Schlossscheibe (frei sichtbar vor dem Viertelschlagwerk) angesteuert. Über einen weiteren Hebelmechanismus, dessen Ingangsetzung durch die Schlossscheibe des Viertelschlagwerks erfolgte, wurde das Stundenschlagwerk ausgelöst, sobald zur jeweils vollen Stunde das Viertelschlag­werk seine vier Schläge absolviert hatte. Die Ansteuerung der Stun­denschlaganzahl erfolg­te ebenfalls über eine – an der Front des Uhrengestells sichtbare – Schloss­scheibe, die aufgrund der hoheren ma­xima­len Schlaganzahl (1 bis 12 Schläge) mehr Ein­kerbungen aufweist als die des Viertelschlag­werks (1 bis 4 Schläge).

Im Laufe eines Tages löste das  Viertelstun­denschlagwerk 240 Schläge und das Stun­den­schlagwerk 156 Schläge auf die beiden entsprechenden Glocken aus.

Alle drei Werke sind mit soge­nannten Windfängen (rotierende Luft­schaufeln) versehen, um die Ablaufge­schwindigkeit des Rä­der­werks zu hemmen und somit z.B. den Abstand zwischen den Stunden-glockenschlä­gen zu steuern. Die Windfänge für die beiden Schlagwerke befinden sich jeweils an der Rückseite des Uhrengestells, der seinerzeit minütlich rotierende Windfang für das Zeigerwerk ist mittig vorn am Ge­stell angebracht. Als Gangregler ist an der Rückseite des Uhrengestelles mittig oben das zum Teil in Holz ausgeführte Pendel angebracht, welches bis dicht über den Fußboden hinabreicht. Links vorn in dem Uhrengestell befindet sich ein Elektromotor, durch den der automatisch gesteuerte Gewichtsaufzug erfolgte. Die Gangregelung des Uhrwerks erfolgte über ein sogenanntes „freischwingendes Pendel“, auf dessen quasi doppelte Erfindung im 19. Jahrhundert sowohl die Recklinghausener Turmuhrenfirma Vortmann als auch die Münchener Firma Mannhardt jeweils ein Patent erhielten.

Über eine weitere Holzstreppe an der südlichen Turmwand gelangen wir in das dritte Turmobergeschoss, welches knapp unter der Gewölbescheitehöhe (14 m) des Langhauses beginnt, über zehn Meter hoch ist und als Glockenstube dient.

Der Raum hat auf jeder seiner vier Seiten ein hohes, rundbogiges und durch Holzjalousien verschlossenes Fenster. Die Glockenstube dienst als Resonanzraum für die Glocken; in ihm soll sich der Klang der Glocken untereinander mischen und es sollen grelle Obertöne abgeschwächt werden. Dies unterstützen die Holzjalousien, die zum Turminneren hin mit sogenannten Reflektionsbrettern versehen sind.

In einem stählernen, zweigeschossigen und zweifeldrigen Glockenstuhl, dessen Auflager in ca. vier Metern Höhe direkt in die Turmwände eingelassen sind, hängen an Stahljochen die vier Glocken der Kirche St. Michael. In den beiden unteren Glockenstuhlgeschossen hängen die beiden größeren, in den oberen Geschossen die beiden kleineren Glocken. Der Glockenstuhl ist so konstruiert, dass die Glocken beim Läuten parallel zur Längsachse des Kirchenschiffs schwingen, also in Nord-Süd-Richtung. Die Glocken wurden im Jahr 1923 vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation gegossen.

Die größte Glocke trägt den Namen des Pfarrpatrons, des Heiligen Erzengels Michael, der als Schutzpatron der Deutschen und der Soldaten sowie als „Seelengeleiter“ für die Verstorbenen verehrt wird. Sie wird daher neben ihrem Einsatz beim Festgeläute auch als Totenglocke verwendet. Sie hat einen unteren Durchmesser von ca. 1,78 m, wiegt ca. 2,25 Tonnen und erklingt im Schagton h°.

Die zweite Glocke ist der Heiligen Barbara geweiht, die als Patronin der Bergleute und als eine der 14 Nothelfer gilt. Sie stellt die Grundglocke für das normale Sonntagsgeläute dar. Die Glocke hat einen Durchmesser von ca. 1,49 m, wiegt ca. 1,35 Tonnen und ihr Schlagton ist d’.

Die dritte Glocke ist dem Heiligen Isidor geweiht, der u.a. als Patron der Landwirte gilt und gemäß der Glocken­inschrift um die Segnung der Feldfrüchte gebe­ten wird. Sie dienst als Basisglocke für die Werktags­gottesdienste, zeitweise auch als Angelusglocke. Ihr unterer Durchmesser liegt bei ca. 1,39 m, sie wiegt ca. 1,05 Tonnen und ihr Schlagton ist e’.

Die kleinste Glocke trägt den Namen des Heiligen Mamertus, im 5. Jahrhundert Erzbischof von Vienne, verehrt als Patron der Hirten und der Feuerwehr. Sie wird für das dreimal täglich stattfindene Angelusläuten genutzt. Ihr unterer Durchmesser beträgt ca. 1,26 m, sie wiegt ca. 0,85 Tonnen und erklingt im Schagton fis’.

Angetrieben werden die Glocken jeweils über Elektromotore, welche nebeneinander auf hölzernen Lagerplatten auf zwei Holzbalken angebracht sind. Diese Elektromotore treiben jeweils über ein Zahnradritzel einen Ketten- bzw. Seilzug an, der zu einem am Joch der jeweiligen Glocken befestigten Seilrad führt. Durch eine integrierte Steuerung ändern die Motore je Glockenschwingung ihre Laufrichtung. Die Seilräder an den einzelnen Jochen haben ungefähr denselben Durchmesser wie die zugehörigen Glocken an ihrem unteren Rand.

Vor der Umstellung auf den elektrischen Glockenantrieb – noch vor dem 2. Weltkrieg – wurden die Glocken jeweils durch handgezogene Seilzüge in Bewegung gesetzt. Diese Seilzüge waren an stählernen Läutehebeln befestigt, die an den Jochen der drei großen Glocken noch vorhanden sind.

Aus der Glockenstube gelangen wir über eine steile Holztreppe in das vierte Turmobergeschoss.

Im Zentrum dieses Geschosses befindet sich seit 1992 ein von der elektronischen Funkuhrenanlage gesteuerter Elektromo­tor, der über ein Verteilgetriebe minütlich die von dort aus waagerecht zu den vier Ziffernblätter der Turmuhr verlaufenden Zeigerwellen fortbewegt. An den Wänden des Turminneren entlang verlaufen Regenrohre, durch die das Regenwasser des über uns liegenden Turmumgangs abgeleitet wird.

Eine steile Holztreppe an der Turmsüdseite führt uns in das nächste Geschoss, die „Türmerstube“. Es handelt sich um einen Raum auf dem Grundriss eines unregelmäßigen Achtecks und hat sowohl in seinen Dimensionen wie auch in seiner architektonischen Gestaltung Ähnlichkeit mit der ehemaligen Taufkapelle im Turmerdgeschoss.

Außer auf der Nordseite der Türmerstube befindet sich in jedem der acht Wandabschnitte ein rundbogiges Fenster. Der nördliche Wandabschnitt birgt eine rundbogige Tür, welche auf den Umgang hinausführt. In den Raumecken befindet sich die stählerne Verankerung der Turmhaube, die sich über der Türmerstube erhebt.

Richten wir unseren Blick – auf dem Boden der Türmerstube stehend – nach oben, so sehen wir in die offene Holzbalkenkonstruktion des Turmhelms, dem sechsten und damit letzten Turmobergeschoss. Diese Balkenkonstruktion, ein solides Werk traditioneller Zimmermannskunst, nimmt den achteckigen Grundriß der Türmerstube zunächst auf, geht dann aber mit zunehmender Höhe wieder in eine quadratische Grundform über. Über vier Luken dringt Licht und Luft in den Turmhelm.

Perspektive aus dem Inneren der Türmerstube
Blick vom Kirchturm auf die Umgebung, die Gartenstadt Hassel.